Wie dänische Medienschaffende die Zukunft der Nachrichten sehen

Nachrichten und Zeitungen werden täglich in jedem Land und auf fast jeder Sprache produziert und bieten seit Jahrhunderten Informationen und Entertainment. Wie Menschen Nachrichten konsumieren geschah für eine lange Zeit auf die gleiche Weise, egal in welchem Land man wohnte. Morgens erhielt man die gedruckte Zeitung im Briefkasten oder auf dem Weg zur Arbeit stoppte man am Kiosk. 

Mit der Digitalisierung der Nachrichtenwelt wurden die Optionen wie man Nachrichten konsumiert immer vielfältiger und zeigte auch, dass es unterschiedliche Präferenzen von Land zu Land gibt. So konnten wir im Artikel von letzter Woche sehen, dass der Anteil von digitalen Abonnenten in Ländern wie Frankreich und Großbritannien um einiges fortgeschrittener ist, als in Deutschland.  

Diese Woche hatten wir bei Twipe eine Gruppe von dänischen Medienschaffenden aus den Bereichen Fernsehen, Radio und Zeitung zu Gast in unserem Büro in Leuven. Einen ganzen Morgen diskutierten wir über die Zukunft der Nachrichtenwelt, tauschten Ideen aus und lernten über Möglichkeiten wie Publisher auf die Herausforderungen der heutigen Zeit reagieren können.  

Die Danish Media Tour vor unserem Twipe Büro in Leuven

Wir wollten die Gelegenheit nutzen, um unsere Haupterkenntnisse zu teilen, aber auch um einen Blick auf die Medienlandschaft in Skandinavien zu werfen und zu sehen welche Gemeinsamkeiten und Unterschiede es gibt.  

Eine höhere Bereitschaft für Paid Content zu zahlen

Skandinavien wird oftmals als ein Vorreiter gesehen, wenn es um Digitalisierung und neue Technologien geht. Dänemark hat knapp 5.8 Millionen Einwohner und ist ungefähr 8-mal so klein wie Deutschland. Laut des letzten Reuters Report beziehen 81% der Dänen ihre Nachrichten online (eingeschlossen Soziale Medien), darauffolgt mit 67% das Fernsehen und mit 20% liegt der Nachrichtenkonsum durch Printmedien.

In Deutschland ist für 26% der Bevölkerung das Printmedium eine Informationsquelle und in Österreich liegt diese mehr als doppelt so hoch, bei 45%. Platz eins teilen sich in Deutschland Fernsehen und Online mit 69%.  

In Skandinavien liegt die Bereitschaft für Paid Content zu bezahlen höher als in Deutschland

Die ausgeprägte Nutzung von Online Medien spiegelt sich auch in der Bereitschaft für Paid Content zu zahlen sehen. Während in Deutschland nur 9% der Bevölkerung (Österreich 12%) dazu bereit sind, liegt der Anteil in Dänemark bei 16%. Aus deutscher Sicht mag das schon viel sein, doch Dänemark liegt hier im Vergleich mit den anderen skandinavischen Ländern an letzter Stelle. In Schweden liegt die Bereitschaft bei 30% und in Norwegen ist fast die Hälfte der Bevölkerung (45%) dazu bereit für Paid Content zu bezahlen.  

Ein ständiger und reibungloser Medienkonsum

Twipe CEO Danny Lein stellte in seinem Vortrag heraus, wie genau sich die Medienkonsum in den letzten 10 Jahren verändert hat und wie Publisher es schaffen können ihren Platz zwischen den unzähligen Angeboten auf Instagram, TikTok und Facebook zu finden. Denn die Bedürfnisse der Menschen nach Neuigkeiten, Inspiration Ablenkung und Tipps sind immer noch die gleichen. Früher hatte die Zeitung hier beinahe ein Alleinstellungsmerkmal, doch heute ist die Konkurrenz auf dem Bildschirm groß. Jede Sekunde werden Millionen Minuten von Content auf den unterschiedlichsten Plattformen hochgeladen, die auf dem Smartphone, Tablet, Computer etc. konsumiert werden können.  

In Deutschland und Österreich sowie auch in den skandinavischen Ländern liegt mittlerweile das Smartphone vorne, wenn gefragt wird auf welchem Gerät die Nachrichten konsumiert werden. In Dänemark gaben dies 71% an und in Deutschland 61% der Bevölkerung. Österreich liegt mit 75% hier vor Dänemark.  

Die Geräte zur Nachrichtennutzung in Deutschland und Dänemark im Vergleich

Deshalb ist es für Medienschaffende jetzt wichtiger denn je die Erfahrung so reibungslos wie möglich zu gestalten. Je einfacher und schneller etwas geht, umso mehr nutzen wir das Produkt. Das beste Beispiel dafür ist wahrscheinlich der Skip-Button, um das Intro bei Netflix Serien zu überspringen. Man hat das Gefühl Zeit gespart zu haben, obwohl man im nächsten Moment dabei ist 2-3 Stunden auf Netflix zu verbringen. Doch es sind oft die Kleinigkeiten, die die Nutzung angenehmer machen und dazu verleiten die eigene Nutzungszeit zu erhöhen.  

Multitasking durch Audio und Podcasts

Das Gefühl zu wenig Zeit zu haben und möglichst angenehm und problemlos Nachrichten zu konsumieren zeigt sich in dem rasanten Aufstieg von Audio und Podcasts. Jeden Tag konsumieren wir rund 13 Stunden Medien und erleben durch das Multitasking, welches Podcast bieten einen Tag der länger als nur 24 Stunden ist. Im Auto auf dem Weg zur Arbeit oder abends beim Kochen ist Audio Content leicht zu konsumieren und durch die Integration in tägliche Aufgaben können sich Gewohnheiten leichter ausbilden.  

Besonders in Schweden und Norwegen erfreuen sich Podcasts großer Beliebtheit

Laut des Reuters Report sind vor allem Norwegen und Schweden große Fans von Podcasts. 37% haben im letzten Monat einen Podcast gehört (in den USA sind es ebenfalls 37%). In Deutschland hört jeder vierte mindestens einmal im Monat einen Podcast und in Dänemark sind es 28%. Podcasts sind mittlerweile ein wichtiger Bestandteil der digitalen Strategie von Publishern geworden, doch trotzdem sind die meisten Podcasts über Spotify, Apple Music etc. Verfügbar und befinden sich nicht hinter einer Paywall. So gab The Economist kürzlich bekannt, dass sie darüber nachdenken eine Audio Paywall einzurichten, wenn ihre Podcasts mehr als 3 Millionen Menschen erreichen.  

Wie sieht Publishing im Metaverse und in Web3 aus?

Weitere große Themen waren auch das oft besprochene Metaverse und Web3. Denn auch wenn man immer wieder davon hört ist es für viele Menschen immer noch schwierig zu begreifen, was man genau darunter versteht und sich vorzustellen wie Publisher die neuen Möglichkeiten nutzen können. 

Unsere Twipe Metaverse Experten Riccardo Fredro und Manuel Bolognesi stellten in ihrem Vortrag zuerst bereits existierende Metaverse Adaptionen wie das vor allem bei Jugendlichen beliebte Spiel Roblox, die virtuelle Welt Second Life und die 3D-Plattform Decentraland vor. In diesen ist es bereits jetzt möglich virtuelle Grundstücke zu kaufen, miteinander zu handeln oder zusammen dort Zeit zu verbringen. Virtuelle Immobilien in Decentraland sind NFTs (Non Fungible Tokens) und währen dies für deutsche und auch für die dänischen Publisher noch absolutes Neuland ist, gibt es schon einige Publishe vor allem in den USA und in Großbritannien die den Verkauf von NFTs nutzen, um die Käufer emotional an ihre Zeitung zu binden.  

Riccardo Fredro und Manuel Bolognesi geben eine Einführung in das Thema Metaverse und Web3

Doch die neuen Technologien können auch genutzt werden, um das Storytelling grundlegend zu verändern und Artikel zu einer richtigen Erfahrung zu machen. Mit einem Filter auf Instagram erklärte die New York Times auf Instagram, wie Atemschutzmasken Covid-19 Viren abhalten oder man zeigte anhand einer Augmented Reality wie sich der Sturm auf das Capitol abgespielt hatte. Auch virtuelle Newsrooms verändern elementar wie wir Nachrichten konsumieren und wie wir diese erfahren.  

Die wichtigsten Erkenntnisse

Die verschiedenen Vorträge und der Austausch mit den dänischen Kollegen waren eine große Inspiration für uns und lernten: 

  1. Damit Publisher in der Zukunft weiterhin erfolgreich bleiben, müssen sie zu einem ‘Partner in Life’ für ihre Leser werden.  
  1. Zeit ist knapp und Digital Editions erleben ihr Comeback. Sich gut informiert zu fühlen geht am besten mit beendbaren Produkten.  
  1. Personalisierung zeigt den Lesern, den Content, der für sie wichtig ist und verbessert die Erfahrung auf der eigenen Plattform.  
  1. Das Metaverse und Web3 sind schon hier und Publisher sollten sich jetzt informieren, um die neuen Möglichkeiten auszuschöpfen. 

Es kann definitiv sinnvoll sein, wenn Publisher über die eigenen Länder- oder Sprachgrenzen hinausblicken und sich ansehen, wie unterschiedlich der Nachrichtenkonsum sein kann und mit welchen Praktiken Publisher aus dem Ausland an Probleme rangehen. Denn auch wenn der Konsum unterschiedlich sein mag, die Herausforderungen sind die gleichen. Die jüngeren Generationen zu überzeugen, Daten nutzbar zu machen und die Fragen, die rund um das Metaverse auftauchen sind nur einige davon.  

Team Twipe

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