3 Beispiele, wie die Nutzung von Daten den Journalismus verändert hat

Im letzten WAN-IFRA Report haben 89% der Publisher angegeben, dass sie in den kommenden 12 Monaten in Data Analysis und Data Intelligence investieren wollen. Im Journalismus wird die Nutzung von Daten in den kommenden Jahren nicht mehr wegzudenken sein und maßgeblich die redaktionelle Arbeit beeinflussen.

Journalismus, Statistik, Datenwissenschaft und Datenvisualisierung kommen als verschiedene Disziplinen zusammen und verändern zusammen die Zeitung. Wir haben uns drei Beispiele angesehen wie Publisher jetzt schon Daten nutzen, um das Leseverhalten zu analysieren, Werbung effizenter zu machen und Geschichten neu zu erzählen.

Unterschied zwischen Data Intelligence, Data Analysis und Data Analytics

Daten werden zu jedem Zeitpunkt gesammelt und die Masse an jährlich gesammelten Daten steigt immer noch weiter an. Die Arbeit mit Daten ist sehr vielfältig und verfolgt unterschiedliche Zielsetzungen. Was genau damit gemeinst ist, wenn Publisher über Data Intelligence, Data Analysis und Data Analytics reden ist hier kurz definiert:

  • Data Intelligence wird oft als das einfache Sammeln von Daten bezeichnet, doch geht dies noch einen Schritt weiter. Die Maße an Daten muss gefiltert werden und anschließend auf eine Weise präsentiert werden, die interpretierbar und sinnvoll ist, so dass sie für eine weitere Verarbeitung genutzt werden kann.  
  • Data Analysis bedeutet das Untersuchen und Verstehen dieser Daten, um auf dieser Grundlage zu erkennen, warum bestimmte Phänomene aufgetreten sind.  
  • Data Analytics geht noch einen Schritt weiter und nutzt die Daten wie auch deren Einsichten, um aus diesen Vorhersagen für die Zukunft zu machen. Durch die Interpretation der Daten soll es möglich sein, geeignete Entscheidungen und Handlungsschritte festzulegen. 

1. Wie die Aachener Zeitung Daten nutzt, um das Verhalten ihrer Leser besser zu verstehen

Medienhäuser sammeln selbst täglich eine große Anzahl von Daten, die nur darauf warten genutzt zu werden. Durch das E-Paper und die immer größer werdende Anzahl von digitalen Abonnenten bekommen Zeitungen wichtige Informationen über das Leseverhalten und die Lesegewohnheiten von ihren Abonnenten. Besonders für Redaktionen für die die Printzeitung immer noch eine wichtige Einnahmequelle ist, kann eine Analyse des E-Papers besonders interessant sein. Als Brücke zwischen Digital und Print ist es näher an der normalen Redaktionsarbeit und kann für beide Produkte relevant sein.  

EngageReaders war für uns der erste Zeh im Wasser. Das funktionierte gut und funktioniert immer noch gut, weil das E-Paper ein Produkt ist was näher an der normalen Redaktion dran ist.

Ulrich Kutsch, Head of Digital Development beim Medienhaus Aachen

Der Data Intelligence Service EngageReaders von Twipe hilft genau an dieser Stelle Redaktionen. Die gesammelten Daten aus der E-Paper Nutzung werden von Twipe in leicht zu verstehende Statistiken und Heatmaps umgewandelt. Diese zeigen anschaulich wie bestimmte Artikel performten.

Dazu wird die von EngageReaders vorhergesagte Zeit (errechnet aus Faktoren wie Position des Artikels etc.) mit der tatsächlich verbrachten Zeit der Nutzer verglichen. Durch tägliche E-Mails, mobile sowie Newsroom Dashboards können für das gesamte Team einen Überblick über die Ausgabe des Vortages erhalten, die dabei helfen können die nächste Ausgabe zu planen.  

EngageReaders heatmap
Die eigenen Daten werden durch die EngageReaders Technologie nutzbar gemacht

Für die Aachener Zeitung, die EngageReaders schon seit 2017 nutzt war es vor allem die Nutzungszeitdaten der gesamten Ausgabe, die besonders interessant waren. Sie zeigten, dass das E-Paper der Aachener Zeitung sich einer großen Beliebtheit erfreut. Anders als bei der Printzeitung, bei der man nach der Auslieferung nicht verfolgen kann, ob diese auch tatsächlich gelesen wird, konnte man nun für das E-Paper feststellen, dass dieses täglich intensiv genutzt wird. Für das Medienhaus Aachen war dies eine Bestätigung, dass das Produkt E-Paper funktioniert.  

Neben dem Data Intelligence Service bietet Twipe auch einen darauf basierenden Data Analytics Service an. Auf der Grundlage von den aufbereiteten Daten kann die Twipe Technologie Push Nachrichten an Abonnenten schicken. Anstatt diese Nachrichten nach ihrem Bauchgefühl Artikel auszusuchen, können Publisher die am besten performten Artikel auswählen und die Chance erhöhen, dass Nutzer den Empfehlungen folgen.

2. Wie Mediahuis Daten nutzt, um die Effizenz ihrer Anzeigen zu erhöhen

Publisher setzen in den letzten Jahren vermehrt auf Personalisierung in Form von Newslettern oder Empfehlungen. Die gesamte Nutzererfahrung für Leser kann durch die Nutzung von Daten verbessert werden und Abonnenten die Artikel und Themen bieten, die sie suchen. Für jeden registrierten Nutzer werden mit jedem Klick Daten gesammelt, die über einen gewissen Zeitraum ein ausschlaggebendes Profil erstellen können. Publisher können diese Daten nutzen, um die Erfahrung der Nutzer personalisierter werden zu lassen und damit Churn zu verhindern.

Der Erlös aus Anzeigenverkäufen ist in den letzten Jahren ständig zurückgeraten, doch auch hier können Daten Medienhäusern helfen mögliche Anzeiger zu überzeugen auch in ihren digitalen Zeitungen oder auf ihrer Website Werbung zu schalten. Mediahuis aus Belgien investiert schon seit einigen Jahren in den Ausbau und die Weiterentwicklung von ihrer Datennutzung und verfügt seit dem letzten Jahr sogar über ein eigenes Data-Department mit dem Namen MH Data Studio. Hier analysieren ein Team aus Data Scientist die Daten und Informationen 4,76 Millionen Nutzern und bis zu 13 Millionen einmaligen Browser Aufrufen.  

Mediahuis verfügt über eine große Anzahl von nutzbaren Daten für potenzielle Anzeiger

Mit der stärkeren Fokussierung auf Daten baut Mediahuis seine datengetriebene Werbestrategie weiter aus. Konsumenten werden heutzutage überschwemmt mit Werbung und Reclamebotschaften, die oft für sie nicht relevant sind und deswegen eine Verschwendung für Anzeiger sind. Deshalb suchen Anzeige nach effizienteren Möglichkeiten, um ihre Zielgruppe zu erreichen. MH Data Studio hilft Anzeigern indem sie die von Mediahuis gesammelten Daten nutzt, um passgenaue Campagnen zu erstellen.  

3. Wie Journalisten Daten nutzen, um Geschichten zu erzählen

Der moderne Journalismus wird ohne Daten wahrscheinlich nicht mehr auskommen und das macht sich auch in einer neuen Form des Storytellings bemerkbar. Datenjournalismus bedeutet anhand von Daten eine Geschichte zu erzählen und dabei zu sammeln, zu analysieren, zu visualisieren und dies anschließend zu veröffentlichen.  Data Intelligence, Data, Analysis und Data Analytics werden hier von den Journalisten selber angewandt und in Geschichten verpackt.

“Datenjournalismus ist die Praxis, Geschichte in Zahlen zu finden und Zahlen zu nutzen, um Geschichten zu erzählen”

Meredith Broussard, Professorin für Journalismus an der NYU

Die Themen im Datenjournalismus sind genauso vielfältig wie im traditionellen Journalismus und können von Umweltthemen, über Politik bis hin zu Fußballergebnissen reichen. Besonders während der Corona Pandemie wurde der Datenjournalismus viel zur Veranschaulichung genutzt. Verbreitungsräume, Infektionsraten und Reproduktionszahlen waren für viele Leser nur schwer zu verstehen, so dass interaktive Graphiken und Karten besonders hilfreich waren und redaktionelle Texte unterstützen konnten. Diese Datensätze wären ohne eine weitere Analyse von ausgebildeten Datenjournalisten für den Leser nicht verständlich gewesen und bringen so einen deutlichen Mehrwert.  

Datenjournalismus ist für die verschiedensten Themen einsetzbar, hier: Eine Graphik über die Performance von Fußball Weltmeistern (SZ) und eine interaktive Karte zur Information über den Sturm Irene in den USA (NYT)

Besonders in der Zeit von sozialen Medien und dem ständigen Zugang zu freien Informationen bietet Datenjournalismus die Chance die Qualität und Einzigartigkeit der Nachrichten hervorzustellen und hat zudem den Vorteil, dass beim datenbasierten Journalismus eigene Meinungen und Wertungen außen vor bleiben und mehr Neutralität in die Berichterstattung bringt.  

Die zunehmende Bedeutung des Datenjournalismus ist ein weiteres Beispiel für die Vorteile, die digitaler Journalismus mit sich bringt. Denn die Visualisierung der Daten auf der eigenen Website oder in der News App sind es was die Graphiken so interessant und auch einfach zu verstehen macht. Schließlich sind die meisten Daten in der Regel frei zugänglich (Open Data) und müssen nur ansprechend aufbereitet werden.

Auf der Website von Die Zeit kann man für jede Stadt Europas die Bevölkerungsentwicklung sehen

Zur Zeit der Corona Pandemie wurden unter anderem Daten der Website des Robert-Koch Institut oder der John-Hopkins-Universität ausgewertet. Für die Graphik von Die Zeit über die Bevölkerungsentwicklung in Europa wurden Daten des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung genutzt.  

Auf den Punkt gebracht

Die Digitalisierung der Nachrichtenindustrie brachte Publishern die Möglichkeit über eine große Menge an Daten zu verfügen. Das Verarbeiten und den bestmöglichen Nutzen aus diesen Informationen zu ziehen, ist für Medienhäuser noch eine große Herausforderung. Die nötige Technik muss vorhanden sein und es ist schwierig ausgebildete Data Scientist für die Medienbranche zu finden.

Trotzdem sollten Publisher sich den rießigen Chancen bewusst sein, die Daten für die Branche bieten. Ein verantwortungsvoller Umgang mit den eigenen Nutzerdaten sollte an erster Stelle stehen und auch im Datenjournalismus muss die Richtigkeit der Daten gewährleistet sein. Es wird spannend sein zu sehen welche neuen Innovationen wir in den nächsten Jahren erwarten können.

Rieke Preuss
Business Development Intern

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