Warum die Neuerfindung von Digital Editions die Zukunft der Nachrichten sein wird

Letzte Woche präsentierte die Financial Times ihre neue digital-only App. FT Edit liefert jeden Morgen acht ausgewählte Artikel, die einen Deep Dive in verschiedene Themen bieten. In den letzten Jahren konnten wir schon häufiger die Abkehr von Live News Apps und die Rückkehr zu Editions beobachten. Wir haben die Gelegenheit genutzt, um uns die Vorteile von Editions sowie die richtige Umsetzung dieser noch einmal genauer anzusehen.  

Die Besonderheiten von Editions 

Editions sind das Produkt, das von Publishern in den letzten hundert Jahren in Form von Zeitungen perfektioniert worden ist. Mit der Digitalisierung von Nachrichten bekamen Leser immer noch dieselben Inhalte geboten, doch man übersah, dass es nicht allein die Inhalte waren, die der Zeitung ihren Wert gaben.  

Zeitungen haben einzigartige Eigenschaften. In einer Zeit grenzenloser Informationen und begrenzter Zeit leisten sie den Lesern einen wertvollen Dienst der Auswahl und Beurteilung und bieten eine fundierte Rangfolge der Bedeutung. Sie ermöglichen auch die Befriedigung der Vollständigkeit, ein Gegensatz zu den Wurmlöchern des Internets.

John Ridding, CEO von The Financial Times

Hinter einer Edition steckt immer das Konzept von einem beendbaren Produkt, das immer gleich aufgebaut ist und im gleichen Rhythmus erscheint. In einer eigenen Studie haben wir uns angesehen, wer Edition Leser sind und wie diese ihre Nachrichten konsumieren.  

  • Fast die Hälfte aller Leser ist in der Regel ein Edition Leser, der die Nachrichten einmal am Tag liest. 
  • Das Lesen erfolgt zum selben Tageszeitpunkt (meistens morgens) und kann 10 bis 30 Minuten dauern.  
  • Sie verlassen sich darauf, dass Ihre Zeitung ihnen einen Überblick über die wichtigsten Nachrichten des Tages bietet und nicht auf weitere Quellen angewiesen sind.  
  • Beendbarkeit, eine redaktionelle Auswahl und Meinungen sowie Analysen sind Edition Lesern besonders wichtig.  

Edition Leser sind für Publisher von großer Bedeutung, da diese meistens nicht die Zeit haben mehrere Zeitungen zu konsumieren und sich dort freie Nachrichten selber zusammenzustellen, weshalb sie eher dazu bereit sind für ein Abonnement zu bezahlen. Daraus erfolgt, dass Edition Leser in der Regel auch die loyaleren Leser sind und über die Zeit eine persönliche Bindung zu ihrer Edition aufbauen, die jahrelang halten kann.  

Die Chancen von Editions im digitalen Zeitalter  

Wenn man über Digital Editions spricht, mag es sein, dass man nur das klassische E-Paper vor Augen hat. Doch Editions können heutzutage auch ganz anders aussehen wie das Beispiel der Financial Times zeigt. Dabei erfüllen sie auch weiterhin die Kriterien einer Edition (Beendbarkeit und redaktionelle Auswahl), aber unterscheiden sich in ihrer Aufmachung. Ein besonderer Fokus liegt auf der Ästhetik und einem gewissen Simplizissimus. Diese Form von Digital-only Editions ist noch rar, weshalb wir uns einige Produkte von Publishern einmal etwas genauer angesehen haben.  

Klares Design in der FT Edit App

Die Welt verspürte das Verlangen nach Innovation 

Als Apple ankündigte das erste Tablet auf den Markt zu bringen war für die Welt klar, dass sie die ersten auf dem deutschen Markt sein wollten die eine Tablet App für eine Zeitung herausbrachten. Das iPad öffnete für sie eine neue Reihe von Möglichkeiten in der Welt der Nachrichten, was auch  Koen Verwee, CEO von Mediahuis Belgien in einem Vortrag über die Digitalisierung ansprach. Größer als das gewöhnliche Smartphone veränderte es wie Apps genutzt wurden.  

Die Edition der Welt

Mit die Welt Edition brachte der Axel Springer Verlag eine neue Form von Zeitung heraus, die zwar dieselben Inhalte wie das E-Paper bietet, aber viele weitere Funktionen wie Videos und Fotoreportagen.  

The Economist entwickelt eine App, die in jeden Tag passt 

The Economist erscheint einmal wöchentlich, aber bietet mit ihrer Digital Edition App Espresso einen ‘shot of daily news’, wie sie es selber beschreiben. Wie der Espresso am Morgen ist auch die App dazu designet einem auf komprimierte Weise zu helfen in den Tag zu starten. Neben von der Redaktion ausgewählten Artikeln bekommt man auch einen vorgeschlagenen Podcast und ein tägliches Rätsel. Auch gibt es jeden Tag eine neue Grafik und den Fakt des Tages.

Der Fact of the Day in The Economist

Während man für die gesamte Ausgabe von The Economist eine Menge Zeit einplanen muss, hat Espresso das Ziel beendbar zu sein und einem eine Zusammenfassung des Tagesgeschehens zu geben. Jeder Artikel kann auch gehört werden und ist so perfekt für Autofahrten oder Bahnfahrten zur Arbeit.

Acht oder Zwölf Artikel für jeden Tag 

Um den Effekt der Beendbarkeit zu unterstützen arbeiten die Financial Times und Tamedia mit der immer gleichen Anzahl von Artikeln. In der FT Edit findet man jeden Morgen acht Artikel und die Tamedia App #12 liefert zwölf Artikel. Die vorher festgelegte Anzahl von Artikeln macht es möglich ungefähr einzuschätzen wie viel Zeit man zum Lesen benötigt. Dies macht es einfacher im Alltag Zeit dafür zu einzuplanen.  

Eine begrenzte Anzahl von Artikeln in den Apps der Financial Times und Tamedia

Das Business hat sich verändert und damit auch die Nachrichten 

Die Edition mögen in sich zwar unterschiedlich sein, doch sie sind alle die Reaktion auf den veränderten Nachrichtenkonsum. Abonnenten zu gewinnen ist für viele Publisher zurzeit eine große Herausforderung und um neue Leser zu gewinnen muss man kreativ werden. Die FT Edit und auch Espresso sind günstiger als das normale Abonnement von The Financial Times oder The Economist und sprechen so eine neue Zielgruppe an. Sie können einen guten Mittelweg zwischen komplett freien Nachrichten und einer harten Paywall sein und gleichzeitig der erste Schritt zu einem vollständigen Abo sein.  

Wir wollten ein Angebot haben zwischen freier Nutzung von digitalen Artikeln und einem kompletten Abonnement- eine Einstiegsmöglichkeit, um Abonnent zu werden.

Remy Becher, ehemaliger Produktmanager bei Espresso

Papierknappheit und eine immer teurer werdende Zustellung zeigen das die Zukunft der Zeitungen digital sein wird. Digital-only Produkte zu entwickeln ist deshalb sinnvoll und kann es auch einfacher machen einen fairen Preis für das Produkt festzulegen. Der E-Paper Preis wird immer im Vergleich zu dem der Print Zeitung stehen und läuft Gefahr als zu hoch bewertet zu werden. Mit einem neuen digitalen Produkt vermeidet man die Gefahren, die mit Veränderungen im Preis oder bei der Paywall einhergehen und betont gleichzeitig die Einzigartigkeit des Produkts, welches nur für die digitale Nutzung entwickelt wurde.  

Auf den Punkt gebracht 

Mit der richtigen Umsetzung bieten Digital Editions großartige Möglichkeiten für Publisher und können bietet die Chance neue Leser zu gewinnen. Wenn Sie auch mit dem Gedanken spielen eine Digital Edition App zu entwickeln, haben wir hier für Sie sechs Tipps zusammengefasst: 

  • Beendbarkeit 

Der klare Anfang und das klare Ende der Digital Edition sind ihre große Stärke. Durch die begrenzte Anzahl von Artikeln bekommt man das wichtigste für den Tag kompakt vorgestellt und hat im Gegenteil zu Live News Apps den Vorteil, dass man nicht ständig unter dem Eindruck steht etwas zu verpassen, wenn man die App nicht mindestens jede Stunde wieder öffnet. Die App spricht vor allem Menschen an, die sehr beschäftigt sind und nicht die Zeit haben in der unendlichen Anzahl von Nachrichten, die für sie relevanten herauszufiltern.  

  • Ein einfaches Preissystem 

Die eigentliche App ist einfach gestaltet und so sollte auch das Preissystem aufgebaut sein. Während es bei anderen Produkten durchaus sinnvoll sein kann verschiedene Optionen anzubieten, kann ein einzelner Preis die Entscheidung zum Abonnement deutlich vereinfachen. Andere Preise als Maßstab für den eigenen zunehmen kann auch eine erfolgreiche Methode sein wie das Beispiel von Espresso zeigt.  

  • Push-Notifications 

Push Notifications sind eine kurze, aber effektive Erinnerung an die Abonnenten. Dies kann eine einfache Nachricht sein, dass eine neue Ausgabe verfügbar ist oder eine kurze Vorstellung der Themen. Welche Art von Nachricht am besten funktioniert ist abhängig von Ihren Lesern und warum diese Ihre Zeitung lesen. Hier ist es sicher sinnvoll zu experimentieren.  

  • Wunsch nach Innovation 

Hinter der Herausgabe eines neuen Produkts wie der Digital Edition sollte immer der Wunsch stehen, die Nachrichten zu verbessern. Digital Editions können dabei nur der erste Schritt sein sich zu überlegen wie man die Zukunft der Nachrichtenwelt sieht und wie Informationen am besten die eigenen Leser erreichen können.  

  • Verstehen Sie Ihre Leser zu  

Am Beginn Ihres Prozesses sollte immer die Definition Ihrer Zielgruppe stehen, da diese maßgeblich bestimmt wie das Endprodukt aussehen sollte um erfolgreich zu sein. Es geht um die Frage wie viele Artikel enthalten sein sollten, welche Themen enthalten sein sollten oder auch wann man die neue Ausgabe erscheinen lassen möchte. Ist eine Desktop Version wirklich notwendig oder würde diese nur sehr wenig genutzt werden?  

  • Ein starkes Team  

Ihr Team sollte eine bunte Mischung aus den unterschiedlichsten Menschen sein. Durch Teammitglieder aus verschiedenen Bereichen zu haben ist es möglich vollkommen unabhängig zu sein und ein innovatives Produkt zu erschaffen. Durch die begrenzte Auswahl von Artikeln ist es besonders wichtig ein diverses Team zu haben, welches aus verschiedenen Perspektiven die richtige Mischung zusammenstellen kann. 

Die Digital Only Zeitung L’édition du soir auf der Twipe Plattform

Sehen Sie Ihre Digital Edition auch niemals als ein abgeschlossenes Produkt, sondern halten Sie sich immer vor Augen was noch alles möglich ist. So wünschten sich einige Nutzer der neuen FT Edit, dass die Inhalte persönlicher gestaltet sind und man abhängig von vorher angegebenen Interessen Artikel vorgeschlagen bekommt. Auch hier zeigt sich wie wichtig Personalisierung in den kommenden Jahren werden wird.  

Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie in unserem eigenen Research Report, der einzelne Digital Editions noch genauer unter die Lupe genommen hat. Kontaktieren Sie uns auch gerne für ein persönliches Gespräch und wir beraten Sie gerne bei der Entwicklung.  

 

Team Twipe

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